myGruni | Bürgerfest am 1. Mai

02.05.2019 Stellungnahme des Quartiersmanagements

MyGruni befriedet erfolgreich den Grunewald!

Mit einer prächtigen Demonstration zogen über 7500 autonome Streetworker:innen durch das wohlstandsbelastete Villenviertel Grunewald. Wie auch im letzten Jahr äußerte sich der Protest kreativ, laut und vielfältig. Die gemeinsamen Nenner an diesem Tag waren Enteignung, eine gerechte Vermögensverteilung und in diesem Sinne faire Mieten in der Stadt. Dabei waren neben dem Wagen des Quartiersmanagements noch Wägen des Zappelkomitees & der fahrenden Gerüchteküche, des Bündnisses Mietenwahnsinn, der Roten Champagner Fraktion („Weil Sekt nicht schmeckt – schon gar nicht im Grunewald!“) sowie dem Kollektiv Mami Wata (in dieser Reihenfolge) mit dabei.

Beim Auftakt des echten, sehr guten Bürgerfestes myGruni spielte Frauenpunkband neben Blaskapelle, es gab Infostände, Seifenblasen und Luftballonketten. Die Essensstände wurden von der Polizei (die ihre eigenen Fressbuden mitgebracht hatte, diese aber nicht teilen wollte) leider verboten. Essen wurde dann aus den angemeldeten Lautis serviert (gerüchteküchehalber). Auf allen Wãgen gab es zahlreiche Redebeiträge, unter anderem von DeutscheWohnen Enteignen, Counter Campus,Kotti & Co, zur Geschichte der Proteste im Grunewald und der bedrohten Kiezkneipe Syndikat aus Neukölln.

Die Chance auf einen echten Begegnungsmoment am Gartenzaun verpassten Villenbesitzer:innen gleich zu Anfangder Demo, als ein riesiger fliegender Silber-Würfel hinter den massiven Gartenzaun in einen Vorgarten fiel. EngagierteSozialarbeiter:innen wurden von der Polizei an einer Rettungsaktion gehindert. Die anwesenden Anwohner:innen verweigerten die Herausgabe des glänzenden Objekts. Die Demo stoppte und hunderte Menschen skandieren vordem Gartenzaun: „1, 2, 3 – lasst den Würfel frei!“ und „Wir sind nicht alle, es fehlt der Würfel!“. Am Ende konnte dasDemotool leider nicht ohne beherztes anwältliches Eingreifen aus den Klauen der kommunikationsresistenten Oberschicht befreit werden. Wir wollen doch nur Spielen!Der Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf sorgte sich ebenfalls um die soziale Schieflage in seinen Kiezen und schloss sich der Demo an, ebenso Mitglieder des Abgeordnetenhauses und auch Polizeipräsidentin Babsi Slowik war vor Ort und wurde Augenzeugenberichten zufolge von einem Sektkorken nur knapp verfehlt.Unterwegs waren außerdem Reichen-Streetworker:innen, um der Nachbarschaft die Angst vor den Demonstrant:innen zu nehmen. Sie warfen mit Händen voll Cent-Stücken um sich, „um den Pöbel ruhig zu stellen“. Das„Alternative Finanzamt Wilmersdorf“ bot Investitionsberatung an, die Neue Treuhand stellte “KapitalDetox” vor, die Burschenschaft Furia informierten zu ganz anderen Konzepten der Umverteilung: „Männer Enteignen“, wissen aberimmerhin, dass „Elite verpflichtet“. Ein Anti-Awareness Team begleitete die Demonstration mit Techniken der kommunikationsfreien Gewalt. Das Syndikat verteilte Aktien für ihre Kneipe als Kapitalanlage und ein Räumungskommando hängte Räumungsbescheide an die Villen. Gespenster der Enteignung jagten uneinsichtige Bonzen durch die Alleen und unbekannte Konfettiextremist:innen verteilten Brottüten mit den illegalen Partikeln, die sich vielerorts als versteckte bunte Papierexplosionen in die Vorgärten entluden. Polizist:innen und Demonstrant:innen beklebten sich gegenseitig mit Stickern.

Über diese herrlichen Schilder haben wir uns sehr gefreut:

  • Liebe deinen Nächsten wie dein Auto
  • Vorgarten – hätte ich auch gern
  • Suche Elitepartner:in
  • Das Vermögen ist ganz eurerseits. (Noch.)
  • Enteignung ist die vegane Alternative zur französischen Lösung
  • Keine Gewald im Grunewalt
  • Lieber Suff statt SUV!
  • Nein zum Konfetti-Extremismus
  • Pflasterstein!!! Flieg und Sieg!!!
  • Die Häuser denen, die drin… Ach nee, falsches Viertel.
  • Krieg den Hütten, Paläste für alle!
  • #wednesdays for enteignung
  • Achtung, gefährliche Parallelgesellschaft
  • Adoptier mich!
  • …und viele, viele andere!

Als historisches Ereignis wurde die traditionelle Pflastersteinschlacht am Johannaplatz ins Leben gerufen. Die rund1000 Pflastersteine begleiteten die Demo noch bis zur Abschlusskundgebung. Dort wurde zu „The Incredible Herrengedeck“ („die Chanson-Punk machen“ – Barbara Slowik, Polizeipräsidentin) gestagedived, bis die Polizei keine Lust mehr hatte und das Stadtfest beendete, um sich lieber in Friedrichshain verprügeln zu lassen.

Einziger Wermutstropfen der sonst rundum gelungenen Aktion: Im Gegensatz zum Quartiersmanagement hatte die Polizei leider kein Befriedungskonzept erarbeitet. Wie schon im letzten Jahr wurde das Bürgerfest massiv kriminalisiert. Es gab Platzverweise für Schuhe mit Plastikkappen, ungenutzte Filzstifte in der Tasche, das Mitführen von Aufklebern oder ein Zusammenstößchen mit einem AfD-Plakat. Reine Schikane und in keinster Weise verhältnismäßig. Unter anderem wurde der Redner von DW Enteignen 40 Minuten festgehalten und an seiner freien Meinungsäußerung gehindert. Grund: er hatte eine kindersichere Bastelschere & Filzstifte im Rucksack. Gegen die Platzverweise gehen wir nun rechtlich vor. Wer einen erhalten hat, kann sich gerne bei uns melden. Die Band „The Incredible Herrengedeck“ erhielt eine Anzeige wegen Beleidigung für die Textzeile „Haut die Bullen Platt wie Stullen“aus dem Song „Angst vor Punk“. Außerdem drängelten sich Beamte in den Schlangen vor den Dixie-Klos vor(Dienstnummern findet ihr auf Twitter).Alle Anderen verhielten sich friedlich und hatten sichtlich viel Spaß auf dem Stadtteilfest.Selbst der Grunewalder FDP Abgeordnete Marcel Luthe, An- und Abmelder einer Demo, die unter dem Motto „Nie wieder Sozialismus“ die Strecke des Quartiersmanagements blockieren wollte, dann aber leider nicht stattfand, saß am Ende erfreut im Biergarten am Bahnhof und gab den Veranstalter:innen ein Bier aus. Noch kann er sich das leisten.Wir hoffen das unsere autonomen Streetworker:innen nach dieser ersten Annäherung in Zukunft auch andere Gelegenheiten nutzen, um die Menschen im soziokulturell abgehängten Bereich zu besuchen, z.B. zum Sticker tauschen.

Tschüss Gurnewald, wir kommen wieder!
Dein Quartiersmanagement <3

Aufruf: Heraus zum 1. Mai im Grunewald!

Am 1. Mai 2018 hatte eine Großdemonstration unter dem Motto „Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg!“ den Bezirk in Chaos und Irritation gestürzt. Immer wieder kam es zu Beschmutzung durch Konfetti, illegalen Klingelstreichen, massivem Anbringen von Klebebildchen und politisch motivierten Flugblättern.
 
Mag der Wunsch nach Enteignung, Besetzung und umfassende Umverteilung auch noch so legitim sein – der Protest muss, kann und soll friedlich geäußert werden! Für kriminelle Krawallos mit Konfetti, Stickern und ohrenbetäubendem Technogewummer ist in einer demokratischen Gesellschaft kein Platz!  
 
Wir lernen aus Kreuzberg und befrieden die Mai-Krawalle mit einem friedlichen Bürgerfest: „myGruni!“
 
„myGruni, mein Grunewald. So wie mySpace, myMüsli, myGörli, myFest. Drei, zwei, eins, alles meins. Mir gehört die Stadt. Jeder oder jedem Einzelnen. Also – uns allen.“
 
Unter dem Motto „Miteinander gegen ein Gegeneinander im Grunewald“ sollen im sozial abgehängten Bezirk Begegnungszonen ermöglicht werden. Das QM Grunewald sieht sich dabei in diesem Jahr in der besonderen Verantwortung, den friedlichen Dialog am Gartenzaun zu fordern und zu fördern.  Die Initiative „Burn Bratwurst – not Porsches!“ sucht das Gespräch mit jungen Randalierern, um gemeinsam alternative Konzepte  zu rein destruktiven Handlungen zu entwickeln. Ein Info-Stand: „Keine Gewald im Grunewalt“ soll zudem aufklären und Opfern von Sticker- und Konfetti-Attacken eine Anlaufstelle bieten.
 
„myGruni“ – Ick freu mir drauf!
 
 
Bündnis »Keine Gewald im Grunewalt« mit freundlicher Unterstützung von: Sektion QMGrunewald der Hedonistischen Internationale, The Incredible Herrengedeck, Esels Alptraum, Pastor Leumund, Geigerzähler, Die Tsootsies, Bergpartei, Falko Hennig und viele andere!